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In Perinatalzentren werden Früh- und Neugeborene versorgt. Für die unterschiedlichen Level gelten unterschiedliche Kriterien. In Level-1-Zentren können jegliche Arten von Risikoschwangerschaften betreut sowie Frühgeborene ab der Grenze der Lebensfähigkeit versorgt werden. Eine ständige Verfügbarkeit eines Neonatologen sowie ein Neugeborenen-Abholdienst für andere geburtshilfliche Abteilungen werden garantiert. Entbindungsstation, Operationssaal und eine Neugeborenen-Intensivstation mit sechs oder mehr Plätzen sind räumlich miteinander verbunden. Zudem sind die Teilnahme an speziellen Qualitätssicherungsverfahren und regelmäßige Fallkonferenzen verpflichtend.  

Die folgenden Kriterien legen eine Entbindung in einem Zentrum mit dieser höchstmöglichen Versorgungsstufe nahe: 

  • Schwangerschaftskomplikationen
  • Vorzeitige Wehen, vorzeitiger Blasensprung oder Blutungen während der Schwangerschaft
  • Erkrankung der Mutter vor oder während der Schwangerschaft (Infektionen, Diabetes, Bluthochdruck etc.)
  • Vorhersehbare Probleme bei der Entbindung
  • Frühgeburt vor der vollendeten 29. Schwangerschaftswoche
  • Geschätztes Geburtsgewicht unter 1500g
  • mangelndes Wachstum oder Fehlbildungen des Kindes
  • diagnostizierte oder erwartete Erkrankungen des Neugeborenen
  • Mehrlingsschwangerschaften (Drillinge, Vierlinge etc.)

Ist das Komplikationsrisiko für Mutter und Kind höher als normalerweise, liegt eine Risikoschwangerschaft vor. Die Einstufung dient dazu, eine sorgfältige und bestmögliche Versorgung zu gewährleisten und bedeutet nicht, dass zwangsläufig Komplikationen auftreten. Kriterien für eine Risikoschwangerschaft sind

  • das Alter der Mutter (unter 20 oder über 35)
  • körperliche Aspekte der Mutter
    • Körpergröße unter 1,50 m (kleiner Beckenausgang)
    • Untergewicht (potenzielle Mangel- oder Unterversorgung des Ungeborenen)
    • Übergewicht (kann die Wehentätigkeit schwächen)
    • chronischer Bluthochdruck (erhöht die Gefahr für Frühgeburten)
    • Durchblutungsprobleme

  • Probleme bei früheren Schwangerschaften
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • eine drohende Frühgeburt oder Überschreitung des Geburtstermins
  • allgemeine Erkrankungen der Mutter sowie Erbkrankheiten innerhalb der Familie
  • Rauchen, Alkoholkonsum sowie die Anwendung von Medikamenten
  • gutartige Wucherungen oder Fehlbildungen der Gebärmutter sowie Veränderungen im Gebärmutterhals
  • ungünstige Lage des Kindes bei fortgeschrittener Schwangerschaft 

Dauert die Schwangerschaft weniger als 260 Tage, ist von einer Frühgeburt die Rede. Das Kind kommt also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Die Kinder wiegen dann meist weniger als 2500g. 

Die Grenze der Überlebensfähigkeit liegt ungefähr zwischen der 23. und 25. Schwangerschaftswoche. Ausschlaggebend ist die ausreichende Ausbildung der Organe, vor allem der Lunge.

Bei Frühgeborenen sind noch nicht alle Organe und Körpermerkmale vollständig ausgebildet. Oft sind insbesondere die Lunge, das zentrale Nervensystem sowie das Immunsystem noch nicht fähig, ihre Funktionen komplett zu erfüllen. 

Oft werden spontane Frühgeburten durch einen vorzeitigen Blasensprung oder aber vorzeitige Wehen verursacht. Diese wiederum können durch Infektionen der Scheide und der Gebärmutter ausgelöst werden. Weitere mögliche Ursachen sind

  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Plazentainsuffizienz
  • erhöhte Fruchtwassermenge
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • vorangegangene Operationen am Gebärmutterhals

Die Art der Entbindung hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Schwangerschaftswoche, dem Gewicht und der Lage des Kindes, der Gesundheit der Mutter sowie der allgemeinen Situation. Bei Geburten vor der 31. Schwangerschaftswoche wir häufig ein Kaiserschnitt durchgeführt, um das Kind möglichst wenig zu belasten. Bei zusätzlichen Risikofaktoren oder einer Notfallsituation wird das Kind in den meisten Fällen ebenso per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Befindet sich ein Kind nach der 32. Schwangerschaftswoche in Schädellage, kann in vielen Fällen vaginal entbunden werden. 

Ausgehend vom mütterlichen und kindlichen Risiko können bei einer drohenden Frühgeburt verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Eventuelle mütterliche Erkrankungen werden behandelt sowie regelmäßig CTG-Kontrollen durchgeführt. Sehr wichtig ist körperliche Ruhe, eventuell sogar ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus. Vorzeitigen Wehen kann medikamentös entgegengetreten werden. Ist die Frühgeburt nicht vermeidbar, kann die Lungenreife des Babys medikamentös angeregt werden. 

Kinder, die nach der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, bezeichnet man als „reife“ Neugeborene. Ihr Organsystem ist in der Regel vollständig entwickelt. Sie können aber trotz ihrer „Reife“ mit anderen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, die durch andere Aspekte als eine vorzeitige Geburt bedingt sind. 

Die Perinatologie, oder auch Perinatalmedizin, ist auf die Versorgung von Mutter und Kind kurz vor und nach der Geburt spezialisiert. 

Die Neonatologie befasst sich mit der Behandlung von frühgeborenen sowie kranken Neugeborenen. Das Arbeitsfeld ist eng an die Pädiatrische Intensivmedizin gekoppelt.